Pia Zimmermann: So kommt VW nicht aus der Krise heraus

Zu den heute aus der Prozessakte am Landgericht Braunschweig bekannt gewordenen internen Abläufen bei Volkswagen, wer was wann wusste und im Vorfeld des Abgasskandals tat, erklärt die Wolfsburger Bundestagsabgeordnete Pia Zimmermann (DIE LINKE):

„Die Kommunikationsstrategie der neuen VW-Spitze ist eine große Katastrophe. Ich habe den Eindruck, dass immer nur eingeräumt wird, was unter juristischen Gesichtspunkten taktisch geschickt sein könnte. So kann VW nicht aus der Krise geführt werden. Ich erwarte von Prof. Dr. Martin Winterkorn, der bisher den Ruf genoss, der beste VW-Chef aller Zeiten gewesen zu sein, sich zu erklären, was er getan und veranlasst hat. Es ist sehr komisch und wirft Fragen auf, wenn VW nun der Öffentlichkeit erklärt, der Konzern wisse nicht, ob der damalige Vorstandsvorsitzende seine umfangreiche Wochenendpost, in der sich der erste wichtige Hinweis auf den Abgas-Skandal befand, am Montag ungelesen wieder in das Büro gebracht hat oder nicht. Mein Eindruck ist, dass unverzüglich und mit Hochdruck die Arbeit an der technischen Lösung des Problems veranlasst wurde. Anders kann ich mir nicht erklären, dass nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals im September innerhalb weniger Wochen plötzlich die technisch schlichte Lösung mit dem Software-Update und einem billigen Plastikteil für die Umrüstung der betroffenen Fahrzeuge der verdutzten Öffentlichkeit präsentiert werden konnte.

Die ganzen Abläufe hätte der Konzern schon viel früher der Öffentlichkeit erläutern müssen, um die Verunsicherung unter den VW-Kunden zu beseitigen. Stattdessen werden immer nur Teilwahrheiten präsentiert. Das bestärkt den Eindruck vom schlechten Management. Dann brauchen wir uns aber nicht wundern, dass Zweifel an der Qualität der Autos die Verkaufszahlen für die Marke VW nach unten drücken. Vor diesem Hintergrund haben alle Beschäftigten bei VW und insbesondere die von Arbeitslosigkeit bedrohten Leiharbeiter allen Grund, auf die Herren Diess und Müller mächtig sauer zu sein. Viele Leiharbeiter wissen nicht, ob ihre Verträge verlängert werden. Aber die VW-Spitze tischt der Öffentlichkeit so eine komische Geschichte auf. Ich bin fassungslos.“

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